Kakerlake und Schabe sind dasselbe Tier – „Kakerlake“ ist nur das umgangssprachliche Wort. Und es ist der einzige Schädling, bei dem ich Kunden am Telefon regelmäßig bitte, nichts zu tun, bis wir da sind.
Der Grund dafür ist der wichtigste Satz in diesem Artikel: Eine Spraydose macht einen Schabenbefall in aller Regel schlimmer.
Warum Sprühen den Befall verteilt
Schaben leben versteckt in warmen, engen Ritzen und kommen nachts heraus. Ein Kontaktspray tötet die Tiere, die Sie sehen – also den kleinen sichtbaren Teil.
Alle übrigen reagieren auf den Reizstoff mit Fluchtverhalten: Sie verlassen ihr Versteck und suchen ein neues. Aus einem Befall in der Küchenzeile wird so ein Befall im Nachbarzimmer, im Steigschacht, in der Wohnung darüber. Fachleute nennen das Verschleppung, und es ist der häufigste Grund, warum ein anfangs kleiner Befall Wochen später ein Hausproblem ist.
Dazu kommt: Sprühnebel erreicht die Eipakete nicht. Ein Weibchen der Deutschen Schabe trägt eine Kapsel mit rund 30 bis 40 Eiern mit sich herum. Deren Hülle ist robust und für die meisten Mittel undurchlässig. Wer nur die sichtbaren Tiere tötet, sieht zwei bis vier Wochen später die nächste Generation.
Welche Art es ist, entscheidet über die Behandlung
Deutsche Schabe – etwa 13 Millimeter, hellbraun, zwei dunkle Längsstreifen auf dem Halsschild. Die häufigste und problematischste Art. Sie liebt Wärme und Feuchte und sitzt in Küchen und Bädern: hinter Kühlschrank, Herd, Spülmaschine, Kaffeemaschine, in Motorräumen von Geräten, in Schaltkästen. Sie vermehrt sich sehr schnell.
Orientalische Schabe – größer, dunkler, fast schwarz. Bevorzugt kühlere, feuchte Bereiche: Keller, Waschküche, Kanalanschlüsse, Heizungskeller. Kommt oft über Leitungen aus dem Gebäude selbst.
Waldschabe – hellbraun, schlank, fliegt ins Licht, taucht im Sommer einzeln auf. Sie ist kein Schädling und vermehrt sich in der Wohnung nicht. Wer im Juli abends ein einzelnes Tier am Fenster hat, hat meistens diese – und braucht gar keine Behandlung. Diese Unterscheidung erspart Kunden regelmäßig eine unnötige Rechnung.
Ein Foto genügt uns in den meisten Fällen für die Einordnung.
Woran Sie einen echten Befall erkennen
- Sie sehen ein Tier bei Tageslicht. Schaben sind nachtaktiv. Wer tagsüber welche sieht, hat meist schon einen größeren Bestand – die Verstecke sind voll.
- Kotspuren: kleine schwarze Pünktchen wie gemahlener Pfeffer, oft an Kanten, in Schubladenecken und an Scharnieren.
- Süßlich-muffiger Geruch bei stärkerem Befall.
- Leere Häutungshüllen und braune Eikapseln in Ritzen.
- Kleine Nymphen – wer die findet, hat eine Vermehrung im Haus, nicht nur ein eingeschlepptes Tier.
Was Sie vor unserem Termin tun sollten
- Nicht sprühen. Aus den oben genannten Gründen.
- Keine Möbel verrücken und nichts ausräumen – das treibt die Tiere ebenfalls in neue Bereiche und erschwert uns die Suche nach den Nestern.
- Lebensmittel dicht verschließen, Tierfutter über Nacht wegräumen, Spüle trocken wischen. Schaben brauchen Wasser dringender als Nahrung.
- Kartons und Altpapier entsorgen. Wellpappe ist ein bevorzugtes Versteck – und der häufigste Weg, auf dem Schaben überhaupt in eine Wohnung kommen: mit Lieferungen, Getränkekisten und Gebrauchtgeräten.
- Die Hausverwaltung informieren, wenn Sie zur Miete wohnen (siehe unten).
Wie professionell behandelt wird
Der Standard ist heute Gelköder, nicht Sprühen. Das Gel wird punktgenau in Ritzen, an Scharnieren, unter Regalkanten und in Geräterückwände gesetzt. Die Tiere nehmen es auf und tragen den Wirkstoff über Kot und Sozialkontakt in ihr Versteck – so werden auch die erreicht, die nie herauskommen.
Der Ablauf, der funktioniert:
- Befallsermittlung mit Klebefallen, um Ausmaß und Schwerpunkte zu bestimmen. Ohne diesen Schritt behandelt man blind.
- Gelapplikation an den ermittelten Punkten.
- Nachkontrolle nach zwei bis drei Wochen, weil aus den Eikapseln Nymphen nachschlüpfen. Dieser Termin ist nicht optional – er ist der Grund, warum die Behandlung hält.
- Bei stärkerem Befall ein dritter Durchgang und die Prüfung angrenzender Einheiten.
Wichtig im Mehrfamilienhaus: Schaben wandern über Leitungsschächte, Rohrdurchführungen und Zwischendecken. Eine einzelne Wohnung zu behandeln, während die Nachbarwohnung befallen bleibt, führt zuverlässig zum Rückfall. Wir sprechen das offen an, auch wenn es die Sache größer macht.
Wer zahlt – Mieter oder Vermieter?
In der Regel gehört Schädlingsbekämpfung zur Instandhaltungspflicht des Vermieters, weil ein Schabenbefall die Gebrauchstauglichkeit der Wohnung mindert. Anders liegt es, wenn der Mieter den Befall nachweislich selbst verursacht hat.
Praktisch wichtig ist etwas anderes: Melden Sie den Befall schriftlich an die Hausverwaltung, mit Datum und Fotos. Das ist die Grundlage für alles Weitere – für die Kostenfrage, für eine mögliche Mietminderung und dafür, dass das ganze Haus geprüft wird statt nur Ihrer Wohnung.
Für Gastronomie und Lebensmittelbetriebe gilt zusätzlich: Ein Schabenbefall ist ein Hygienemangel mit Dokumentationspflicht. Wir halten Befund, Maßnahme und Nachkontrolle schriftlich fest, so dass die Unterlagen einer Kontrolle standhalten.
Wann Sie sofort anrufen sollten
- Sie sehen Schaben bei Tageslicht.
- Sie finden Nymphen oder Eikapseln – das bedeutet Vermehrung im Haus.
- Sie führen einen Lebensmittelbetrieb.
- Der Befall betrifft mehrere Wohnungen oder Sie vermuten Wanderung über den Schacht.
- Sie haben bereits mit Spray behandelt und die Tiere tauchen jetzt an neuen Stellen auf.
Bei Schaben zahlt sich Tempo aus wie bei kaum einem anderen Schädling. Ein Befall, der früh und einmal richtig behandelt wird, ist eine überschaubare Sache. Derselbe Befall ein halbes Jahr später ist ein Hausprojekt.
